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Viele KMU-Verantwortliche kaufen ihre Produkte immer noch von der Stange. Dabei können ITC-Lösungen nur ihre Potenziale ausspielen, wenn sie das Kerngeschäft des Unternehmens wirklich weiterbringen. KMU LIFE führte mit den Verantwortlichen des Anbieters transtec, der dieses Jahr sein silbernes Jubiläum feiert, ein Hintergrundgespräch. Interview mit Hans-Jürgen Bahde und Rainer Scherf von Georg Lutz Wenn wir heute in die ITC-Umgebungen von KMUs schauen, sind wir oft mit einer sehr heterogenen Situation konfrontiert, sprich historisch gewachsen. Ich frage mal etwas überspitzt, wie gehen Sie mit diesen chaotischen Situationen um? Scherf: Genau diese wollen wir beenden. Wir liefern Lösungen aus einer Hand. Das betrifft sowohl die Hard-, Softwareseite als auch die relevanten Dienstleistungen. Aus diesem Grund haben wir ja auch einen «Single Point of Contact» ins Leben gerufen, damit die Kunden nur noch einen Ansprechpartner haben, was den Verkauf wie auch den Service betrifft. Wir haben den Anspruch, uns so vom reinen Massenmarkt abzuheben. Das ist die Herangehensweise, um im Schweizer KMU-Markt zu punkten. Sie sehen spezielle Herausforderungen für KMUs. Gibt es hier ein anderes strategisches Vorgehen als bei grossen Unternehmen? Bahde: KMU-Verantwortliche haben nicht dedizierte IT-Bereiche, die sich um die IT-Anforderungen kümmern. Meistens ist der Geschäftsführer mit dabei. Daher geht es von Anfang an viel mehr um Business und weniger um Funktionalitäten oder Infrastrukturen. Meistens werden die Anforderungen der Kunden aus dem Business heraus skizziert. Wenn Sie uns nach der Herangehensweise fragen, geht es bei KMUs zunächst um eine Übersetzung. Wir helfen die Sprache des Business in die Sprache der IT-Welt zu übersetzen. Dann können wir gemeinsam mit dem Kunden die entsprechenden Unterstützungsstrategien entwerfen. Wir stossen dabei auf folgende Hürden: Es geht immer um eine sehr heterogen gewachsene Infrastruktur, die aus der Unternehmensgeschichte gewachsen ist. Die IT-Vorstellungswelt versteht Business oft nur unzureichend. Das ist gerade, wenn man in die Globalisierung einsteigt und expandieren will, ein ganz wichtiger Punkt. Wie gehen Sie dann strategisch vor? Bahde: Wir formulieren mit dem Kunden seine IT-Ziele und eine entsprechende Vorgehensweise zur Realisierung und Migration. Für dieses strukturierte Vorgehen werben wir bei Kunden und versuchen so, Verständnis zu finden. Wenn wir diese Hürde genommen haben, steht eine Grundlage für eine erfolgreiche und schrittweise Einführung/Migration von businessbezogenen ITC-Lösungen. Um welche Themen geht es da? Bahde: Skalierbarkeit, Sicherheitsthemen und Green IT, sprich Energieeffizienz, haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Verwenden Sie dabei eine Checkliste, die Sie abarbeiten? Bahde: Ja, es gibt eine Vorgehensweise, wie wir mit dem Kunden seine bisherige Infrastruktur analysieren und seine neue Infrastruktur ausgestalten wollen. Dabei geht es um Kernfragen wie: Was sind die Businessanforderungen für die Infrastruktur, wie könnten sich diese verändern und wie geht man dabei vor. Es gilt ihn in der heutigen IT-Infrastruktur abzuholen und dann im Realisierungsprojekt zu begleiten. Oft passen aber Anspruch und Wirklichkeit nicht zusammen. Nach unterschiedlichen Studien, sind über 50 Prozent der KMUs mit ihrer neuen Lösung nicht zufrieden. Bahde: Es gibt leider ein weit verbreitetes Vorurteil, dass ein KMU seine IT-Anforderungen standardisieren kann. Auch ein mittelständisches Unternehmen hat sehr spezifische Anforderungen an die IT. Wenn ich auf ERP-Lösungen schaue gibt es kaum sinnvolle Angebote von der Stange, ausser einigen sehr branchenspezifischen Lösungen. Die Gratwanderung zwischen individuellen Bedürfnissen und effizienten standardisierten Lösungen ist das Kernthema von KMU-Verantwortlichen. Sie wollen auf jeden Fall vom Anbieter in ihrer spezifischen Situation Ernst genommen werden. Von der billigen Strategie, die Lösung funktioniert doch auch in vielen Grossunternehmen, dann funktioniert es sicher auch bei dir als kleines Unternehmen, gilt es unbedingt Abstand zu halten. Der KMU-IT-Verantwortliche will nicht nur Ernst genommen werden, sondern dessen spezifische Anforderungen müssen sich dann auch in der Lösung widerspiegeln und einen Beitrag zum Business leisten. Scherf: Nehmen Sie nur einen kleines Unternehmen als Beispiel. Es ist im relativ neuen Geschäftsfeld Outsourcing von Webseiten tätig. Dieses Unternehmen hat zum Beispiel ganz spezifische Anforderungen an seine Server. Hier kommen Anbieter mit Angeboten von der Stange, von denen es leider noch viel zu viele gibt, nicht weiter. Leider kommt es in der Folge oft zu den von Ihnen erwähnten Frustrationen. Auch KMUs brauchen individuelle, auf ihre Bedürfnisse angepasste Lösungen. Noch vor wenigen Jahren war die These, Virtualisierung oder Storage seien als Aufgabenfelder für Grossunternehmen berechtigt. Heute müssten KMUs hier Lösungen haben, um effizienter arbeiten zu können und damit wettbewerbsfähig zu bleiben. KMUs erkennen sehr genau diese Anforderungen, die eben nicht mehr nur «Insellösungen» sind. Von Anbieterseite brauchen sie umfassende und zugeschnittene Lösungen. Und da bin ich wieder mit unseren Angeboten aus einer Hand... Bleiben wir doch an diesem Punkt. Hier den Überblick zu haben und die richtigen Kenntnisse zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen, ist doch schwer. Ein einzelner Mensch kann dies gar nicht leisten. Wie operationalisieren Sie diesen Anspruch in der Wirklichkeit? Scherf: Es gibt einen Ansprechpartner, der die Fragen, Anforderungen und Probleme des Kunden aufnimmt. Er kennt die Experten in unserem Hause. Er oder sie weiss, wo die Spezialisten für Storage oder VMware (Virtualisierung) sitzen, behält gleichzeitig aber auch den Überblick über das Gesamtgeschehen. So hat auch der Kunde immer den aktuellen Stand der Arbeiten zur Verfügung. Kommen wir zu einigen konkreten Angeboten aus Ihrem Hause: Virtualisierung ist auch bei Ihnen ein grosses Thema. Sie haben von der Seite der Hardware eine spannende Lösung im Angebot, «pano» heisst das Produkt. Das ist ein kleiner Kasten, nicht viel grösser als zwei Zigarettenschachteln nebeneinander. Was verbirgt sich dahinter? Bahde: Bei der transtec Zero Client-Lösung wird dem einzelnen Anwender ein kompletter Windows-Desktop zur Verfügung gestellt. Betriebssystem und Software befinden sich auf einem Virtualisierungsserver. Wir empfehlen die Lösung vor allem bei einer Vielzahl von PC-Clients mit weniger speicherintensiven Anwendungen, zum Beispiel in Universitäten und Bibliotheken, für E-Learning- oder Office-Anwendungen. Mit der Desktop-Virtualisierung bietet transtec mittelständischen Unternehmen und Institutionen jetzt ein umfassendes Virtualisierungs-Portfolio bis hin zur Speicher-Virtualisierung. Mit einem Client auf ein serverseitig laufendes Windows-Betriebssystem zuzugreifen, ist aber nicht gerade taufrisch? Bahde: Aber die Umsetzung mit einem Hardwarekonzept inklusive korrespondierender Managementtools, welche sich konsequent an den tatsächlichen Anforderungen der Desktop-Virtualisierung orientieren. Im Ergebnis steht nun eine Lösung zur Verfügung, die in vielen Anwendungsbereichen die IT-Infrastruktur optimiert und somit die Auslastung der Ressourcen deutlich steigert. Der Nutzer nimmt die Virtualisierung seines Desktops kaum wahr: Die pano-Box in der Grösse von zwei Zigarettenschachteln ersetzt den PC. Der lüfterlose Zero Client ist leise und wirbelt keinen Staub auf. Er verbindet alle Peripheriegeräte wie Bildschirm und Tastatur über das bestehende IP-Netzwerk mit dem virtuellen Desktop. Meldet sich ein Benutzer an, wird er automatisch mit seiner eigenen virtuellen Maschine verbunden. Der zentrale Virtualisierungs-Manager erhält vom Verzeichnisdienst direkt das entsprechende Nutzerprofil. Der IT-Administrator muss die Daten nur im jeweiligen zentralen Verzeichnisdienst pflegen, eine eigene Benutzerdatenbank ist nicht notwendig. Gibt es weitere Vorteile? Scherf: Das Zero Client-Konzept ist überall dort spannend, wo beispielsweise folgende Problematiken auftauchen: * Geräuschemissio * Diebstahlsicherheit * Energieeffizienz * Raumeffizienz * Verschmutzung Das kann beispielsweise in der Medizinbranche der Fall sein. Nehmen Sie nur die vielen Schulungsräume, in denen bisher einzelne PCs stehen. Die werden entwendet, nehmen viel Platz weg, werden heiss und sind laut. Diese können komplett durch unseren pano-Client ersetzt werden. Auch die Energieeffizienz wird so substanziell gesteigert. Unter Systemadministrationsgründen ist das bisher der konsequenteste und effizienteste Weg. Ist das für KMUs nicht Science Fiction? Scherf: Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil, wenn ein KMU einen kleinen Rechenraum hat und dort eine Virtualisierungsumgebung mit dreissig, vierzig Clients in den Büros, im Vertrieb und in der Werkstadt betreibt, kann eine solche Lösung wirtschaftlich sehr spannend sein. Er hat die gleichen Skalierbarkeitsvorteile wie ein grosser Kunde. Es braucht hier viel weniger IT-Management. Er partizipiert vom gleichen Nutzen wie Universitäten, Forschungseinrichtungen oder grosse Unternehmen. Scherf: Die pano-Box bewährt sich auch in extremeren Umgebungen. In heutigen Produktionshallen haben PCs oft einen schweren Stand. Sie kapitulieren beispielsweise vor zentimeterdicken Staubschichten. Davon lässt sich pano nicht beeindrucken. Sie feiern gerade ein silbernes Jubiläum. Was war IT vor 25 Jahren, was ist es heute und wo stehen wir in einigen Jahren? Scherf: Von der Hardwareseite ist die Verkleinerung sicher ein wichtiger Trend. Wir haben mit ganz grossen PCs angefangen, dann gab es irgendwann die Notebooks, erst sehr klobig und später sehr smart und heute sind wir bei Mini-PCs. Die Grösse des pano wird sicher die nächsten Jahre bestimmen. Der zweite Punkt betrifft die Sicherheit: Früher waren auf einem einzelnen PC sehr viele Daten, mit denen Unfug angestellt werden konnte. Das ist auf den zukünftigen Geräten nicht mehr möglich. Auch Diebstahl wird eine untergeordnete Rolle spielen. Mit einigen wenigen Schnittstellen kann niemand etwas anfangen. Das ist eine enorme Entwicklung. Noch ein Beispiel. Vor zehn Jahren war Storage noch kein Thema. Archiv und Dokumentenmanagementsysteme waren die aktuellen Stichworte. Schon am schnellen Wechsel der Kernbegriffe, erkennen Sie die rasante Entwicklung. Vor 25 Jahren war Computer noch sexy. Heute ist er Alltag. Das hat nicht nur Vorteile. Ich habe den Eindruck, Sie wollen aus dem Alltag ausbrechen. Scherf: Ich komme aus dem Softwarebereich und ich habe mir vor meiner Tätigkeit hier nicht vorstellen können, wie spannend und vielseitig Hardware sein kann. Landläufig spricht man ja von Kistenschiebern. Was ich hier erlebe ist das Gegenteil. Es geht um individuelle Lösungen. Ich habe hier nicht den Eindruck eine alltägliche ruhige Kugel zu schieben. Die Entwicklung ist sehr schnell und interessant. Bahde: Sie können auch die Lebenszyklen nehmen. Vor zwanzig Jahren betrugen die durchschnittlichen Lebenszyklen vier Jahre. Heute sind wir bei durchschnittlich neun Monaten gelandet. Das sind die eigentlichen Herausforderungen. Produkte und Systeme sind heute sehr schnell veraltet. Allerdings veralten Kundenanforderungen selten. Ich brauche auch nicht jedes Jahr eine neue IT-Lösung in meinem Büro? Scherf: Ja, aber die Problematik liegt im Detail. Welcher IT-Hersteller garantiert Ihnen heute noch Garantie- und Servicezeiten, die über ein Jahr hinausgehen? Sie haben das Produkt, aber die intelligente Integration von IT-Bausteinen findet nicht statt. Und schon sind Sie wieder bei einer Insellösung. Das wollen wir vermeiden. Die Kundenanforderungen sind immer unterschiedlich. Wir wollen aber seine Anforderungen schlüssig zusammenbringen. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Es geht nicht mehr nur um einzelne verkaufte Komponenten. Es ist natürlich schön, wenn man hundert zusätzliche Server verkaufen kann. Aber der Kunde hat von virtuellen Servern gehört und weiss, dass er vielleicht mit 20 virtuellen Servern arbeiten kann. Hier muss der Anbieter vorbereitet sein, sonst sinken seine Marktchancen.
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