Die Diskussion um die Zukunft des Schweizer
Säulenmodells, Unterdeckung und fehlende Transparenz sind nur drei Stichworte
die in den medialen Diskussionen der letzten Jahre beim Thema Vorsorge dominant
waren. Wir haben dem Geschäftsführer der Profond Vorsorgeeinrichtung auf den
Zahn gefühlt und ihn gebeten, die Unternehmensphilosophie seines Hauses in
diesen Kontext zu stellen.
Interview mit Christoph Strohm
von Georg Lutz
Das Modell der drei Säulen in der Schweiz ist auf den
ersten Blick klar strukturiert. Die erste Säule hat eine gesetzliche Grundlage.
Aber schon bei der zweiten und dritten Säule gibt es Diskussionen und
unterschiedliche Positionierungen. Können Sie für uns ein Bild skizzieren?
Ich denke das Problem stellt sich nicht unbedingt auf der
Ebene der gesetzlichen Grundlage, die prinzipiell für alle drei Säulen
vorhanden ist, sondern viel mehr bei der Vielzahl der Anbieter. Bei der 1.
Säule ist der Staat der Anbieter beziehungsweise der Verwalter. In der 2. und
3. Säule sind es hingegen Versicherungsgesellschaften, Banken, unabhängige
Vorsorgeeinrichtungen, Freizügigkeitsstiftungen Beratungsfirmen und
Finanzintermediäre (meist Kreditinstitute, Anmerkung der Redaktion), die sich
mit diesem Geschäft täglich auseinandersetzen und den KMUs bestmögliche
Vorsorgelösungen anpreisen. Es stellt sich die Frage, welches KMU hier noch den
Überblick behalten und die für sich beste Lösung objektiv heraussuchen kann.
Der professionelle Beratungsbedarf ist offensichtlich.
Zudem gibt es auch innerhalb der einzelnen Säulen noch
Verbesserungspotential. Wenn Sie sich das kürzlich in der Presse erwähnte
Beispiel der in Konkurs geratenen Freizügigkeitsstiftung vor Auge führen, wo
viele Versicherte einen grossen Teil ihrer Freizügigkeitsleistung verloren,
dann hat der Gesetzgeber klar seinen Auftrag nicht erfüllt.
Unter welchen Voraussetzungen ist dieses Modell
langfristig nachhaltig?
Um unser, vom Ausland oft hoch gelobtes,
Drei-Säulenmodell weiterhin erfolgreich führen zu können, sollten wir darauf
bedacht sein, dass dieses nicht einer Flut von Regulierungen zum Opfer fällt
und dadurch intransparent und träge wird. Viele Pensionskassenverantwortliche
(Stiftungsräte, Geschäftsführer) wie auch Behörden und Revisionsgesellschaften
müssen sich vermehrt hinterfragen. Das Ziel muss sein, die Versicherten in den
Mittelpunkt zu stellen und eine möglicht effiziente Verwaltung der treuhändisch
anvertrauten Vorsorgegelder sicher zu stellen.
Angesichts internationaler Struktur- und Finanzkrisen hat
das Thema Aktien und Vorsorge viel Kritik einstecken müssen. Wie sehen Sie die
Situation?
Betrachtet man Aktien im Zusammenhang mit beruflicher
Vorsorge im kurzfristigen Bereich, dann gebe ich den Kritikern durchaus Recht.
Eine Einrichtung der beruflichen Vorsorge legt ihre Gelder nicht kurzfristig,
sondern, ganz im Gegenteil, mit einem mehr als 40-jährigen Anlagehorizont an.
In diesem Bereich, macht es deshalb absolut Sinn, einen möglichst hohen
Aktienanteil in seinem Portefeuille zu fahren, da die Ertragserwartungen
gegenüber Obligationen um ein Vielfaches höher liegen. Namhafte Studien haben
gezeigt, dass kurzfristig wohl das Risiko grosser Schwankungen bei Aktien
besteht, sich dieses jedoch bei einer Haltedauer ab drei Jahren auf das
(Risiko-)Niveau von Obligationen senkt. Genau dieses Verhalten zeichnet sich
positiv aus bei Pensionskassen, welche sich an diese Erkenntnis konsequent
halten.
Das Problem mit der Unterdeckung, in die einige
Pensionskassen in den letzten Jahren gekommen sind, scheint gelöst. Aber die
nächste Krise kommt bestimmt. Wie ist hier Profond aufgestellt?
Der Deckungsgrad ist für Profond, im Gegensatz zu vielen
Medien, nicht eine im Vordergrund stehende Kennzahl. Es handelt sich dabei um
eine per Stichtag 31.12.xxxx erhobene Grösse. Wichtig erscheint mir vielmehr,
dass Pensionskassenverantwortliche ihre Vorsorgeeinrichtung gesamthaft und vor
allem dynamisch betrachten. Ist eine Unterdeckung beispielsweise durch
strukturelle Probleme innerhalb der Kasse entstanden, ist dem Deckungsgrad
wesentlich grössere Beachtung zu schenken, als wenn sich der Deckungsgrad «nur»
auf Grund von Börsenkorrekturen verschlechtert hat. Der Stiftungsrat hat sich
seit der Gründung von Profond vor knapp 20 Jahren immer eingehend mit der
finanziellen Situation auseinandergesetzt und auch bereits die Krisen von 1994,
2002 und 2008 erfolgreich gemeistert. Ein professioneller Anlageausschuss,
monatliche Reportings und Controllingberichte sind hilfreiche Instrumente die
Situation beziehungsweise die Vorsorgeeinrichtung jederzeit unter Kontrolle zu
haben.
Es geht aber nicht nur um Geld, sondern um Transparenz.
Das Pensionskassenvermögen beträgt ungefähr 600 Milliarden Schweizer Franken.
Ein Viertel davon ist in Aktionen angelegt. Wer hier wie abstimmt, bleibt aber
oft verborgen. Viele kritisieren diesen Zustand als nicht transparent. Wie
stehen Sie dazu?
Abstimmen an Generalversammlungen und somit einen
gewissen Einfluss in die investierte Firma zu erlangen, ist aus meiner Sicht
ein gewisses Wunschdenken. In den meisten Fällen sind Pensionskassen sogenannte
Kleinaktionäre, nicht zuletzt hervorgerufen durch ihr Anlagereglement, das nur
eine Maximalposition als Investition in eine Unternehmung zulässt. Auch die
Diversifikation der Anlagevehikel spricht hier nicht unbedingt für eine aktive
Handhabung bei Abstimmungen, da dies einen enormen administrativen Aufwand mit
sich bringen würde. Viel wichtiger erscheint es uns, im Vorfeld der geplanten
Investition, die Firmen eingehend unter die Lupe zu nehmen um zu gewährleisten,
dass man seine Investition in gut geführte Unternehmen placiert.
Kommen wir zur KMU-Praxis. Welche Hürden hat eine
strategische Unternehmensvorsorge heute zu nehmen, oder anders gefragt gibt es
Leitfragen, die es bei der Umsetzung zu beachten gilt?
Grundsätzlich muss man sich bewusst sein, dass ein
Wechsel der Vorsorgeeinrichtung nicht unüberlegt erfolgen soll, da die
Neuplatzierung meist eine langfristig orientierte Perspektive haben sollte,
nicht zuletzt aus vorgenannten Gründen und insbesondere der Nachhaltigkeit.
Wichtig erscheint mir allerdings, dass man sich genug Zeit nimmt, um seinen
Vorsorgepartner zu wählen. Ist das Vorsorge Know-how nicht in der Unternehmung,
sollte man sich an einen erfahrenen Makler, der sich im Bereich der
Personalvorsorge auskennt wenden. Sich nur an einer Referenzzahl wie zum
Beispiel dem Deckungsgrad abzustützen ist ebenfalls nicht ratsam. Es sollten
die Leistungen, Kosten und reglementarische Details genau betrachtet und
ausgewertet werden. Referenzauskünfte können eine diesbezügliche Analyse
durchaus hilfestellend abrunden.
Auf der Homepage von Profond steht der Kernsatz
«...attraktive Vorsorgelösungen aus einer Hand». - Was habe ich mir darunter
vorzustellen, habe ich einen Ansprechpartner oder geht es um mehr?
Dieser Kernsatz bezieht sich auf die «Profond-Gruppe»,
bestehend aus der Profond Vorsorgeeinrichtung, der Profond FL Vorsorgestiftung
und der Profond Freizügigkeitsstiftung. Mit diesen drei Anbietern können wir
grundsätzlich sämtliche Belange der beruflichen Vorsorge aus einer Hand
abdecken. Die Versicherten können dadurch von einer einfachen Administration
und überdurchschnittlichen Leistungen profitieren.
Wie stellt sich Ihr Unternehmen im Markt auf? Es gibt ja
einige Anbieter
Wie bereits vorgängig erwähnt, stellt Profond in erster
Linie die Interessen der versicherten Personen in den Vordergrund. Versicherte
profitieren einerseits von der Unabhängigkeit, hoher Flexibilität und
andererseits von hohen Leistungen bei tiefen Kosten. Eine effiziente und
kompetente Beratung und Betreuung sind für uns selbstverständlich. Langjährige
und namhafte Anschlusspartner zeugen von einer hohen Qualität in einem
partnerschaftlichen Umfeld.
|